Essstörung

Essstörung ist eine besondere Form,
wo versucht wird, das Essen – im Sinne von:
Wie viel esse ich? Was esse ich? –
unter Kontrolle zu haben,
und so eine Lösung zu finden
für etwas,
das wahrscheinlich weit außerhalb der Essstörung liegt.

Um mit einer Essstörung zu arbeiten,
muss man also den Hintergrund verstehen:

Was soll damit geschehen?
Was soll damit eigentlich ausgedrückt werden?

– Soll damit ausgedrückt werden: Ich bin mein eigener Herr, meine eigene Frau?
– Soll damit ausgedrückt werden: Ich entscheide über mein Leben?
– Soll damit ein Widerstand ausgedrückt werden?
– Soll damit eine Sehnsucht ausgedrückt werden?
– Ich möchte die Fülle des Lebens zu mir nehmen.
– Ich möchte die Fülle des Lebens in keiner Weise zu mir nehmen,
weil das Leben mir gefährlich erscheint.

Und so weiter.

Das ist von Mensch zu Mensch völlig, völlig unterschiedlich –
und muss entsprechend unterschiedlich behandelt werden.

Spannend ist:
Wenn man sich nur der Essstörung widmet,
bekommt sie eine große Dimension.
Wenn sie aber nur der Ausdruck dessen ist, was eigentlich los ist,
ist es sogar so,
dass ich dazu tendiere,
über die Problematik des Essens, des Nicht-Essens,
des Zuviel-Essens, des Erbrechens

nicht zu sprechen,
sondern vielmehr über die Hintergründe,
die dazu führen.

Da setzt auch wieder Aufstellungsarbeit ein.
Vielleicht auch Organisationsaufstellung –
wenn jemand das entwickelt hat durch eine Firma.
Dann sehr häufig auch Auseinandersetzung mit gesellschaftlichem Konformismus:
Wie Frau zu sein hat, damit sie richtig ist.
Wie Mann zu sein hat, damit er richtig ist.

Das heißt:
sehr mit Themen wie Feminismus und Patriarchat.

All diese Auseinandersetzungen
führen dann zu einer Einsicht,
die schließlich Wandel möglich macht.

Denn viele Menschen empfinden sich als
viel zu viel, zu unpassend,
als dass sie je mit sich zufrieden sein könnten.

Das hat sehr viel mit Gesellschaftsstruktur zu tun.
Mit Vergleich, mit dem Wunsch, richtig sein zu wollen.
Mit der Sehnsucht nach Liebe, nach Anerkennung, nach Dazugehören.